Leitfaden erstellen Experteninterview: Schritt-für-Schritt
Ein Leitfaden für ein Experteninterview entsteht in klaren Etappen – von der Zielsetzung bis zur fertigen, flexibel einsetzbaren Fragenliste.
Markus Schreiber Lesezeit: 4 Min.
Wer einen Leitfaden für ein Experteninterview erstellen will, arbeitet sich am besten in vier klaren Schritten vom Thema zur fertigen Fragenliste vor: Ziel und Zielgruppe festlegen, Recherche in Fragenblöcke übersetzen, offene Fragen formulieren und schließlich eine sinnvolle Reihenfolge samt Zeitpuffer festlegen. Was ein Interviewleitfaden grundsätzlich ist, wird an anderer Stelle ausführlich erklärt – hier geht es konkret darum, wie man ihn Schritt für Schritt selbst baut.
Schritt 1: Ziel und Zielgruppe des Interviews festlegen
Bevor die erste Frage aufgeschrieben wird, sollte klar sein, wozu das Gespräch dient. Ein Leitfaden für ein Interview lässt sich nur zielgerichtet erstellen, wenn feststeht, welche Erkenntnis am Ende stehen soll: Geht es um Fachwissen zu einem Thema, um eine persönliche Einschätzung oder um eine konkrete Neuigkeit, die die befragte Person verkünden möchte?
Genauso wichtig ist die Frage, wer das Ergebnis später liest oder hört. Ein Fachpublikum braucht andere Fragen als Laien, die zunächst Grundbegriffe erklärt bekommen müssen. Notieren Sie sich vor der Recherche in ein bis zwei Sätzen:
- Welches Thema steht im Zentrum des Gesprächs?
- Was soll die Leserschaft danach wissen oder verstehen?
- Welche besondere Expertise bringt die interviewte Person mit?
Diese drei Antworten bilden den roten Faden, an dem sich alle weiteren Schritte orientieren.
Schritt 2: Recherche in konkrete Fragenblöcke übersetzen
Ein guter Leitfaden für ein Interview entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus solider Vorarbeit. Lesen Sie Veröffentlichungen, frühere Interviews oder Fachbeiträge der befragten Person, um Wiederholungsfragen zu vermeiden und stattdessen gezielt nachzuhaken.
Aus dieser Recherche lassen sich meist drei bis fünf thematische Blöcke bilden, etwa: Werdegang und Hintergrund, aktuelles Fachthema, konkrete Beispiele oder Fallstudien, sowie Ausblick oder Einschätzung zur Zukunft. Jeder Block bekommt im Dokument eine eigene kurze Überschrift, unter der die passenden Fragen gesammelt werden.
Diese Struktur hat einen praktischen Vorteil: Wenn das Gespräch vom Thema abweicht, lässt sich im Leitfaden schnell der passende Block wiederfinden, statt die ganze Liste durchzuscrollen. So bleibt der Leitfaden auch während des Interviews ein Arbeitswerkzeug und nicht nur ein Vorbereitungsdokument.
Wie formuliert man offene Fragen für ein qualitatives Interview?
Ein Leitfaden für ein qualitatives Interview lebt von offenen Fragen, die zum Erzählen einladen, statt mit einem knappen Ja oder Nein beantwortet zu werden. Qualitativ bedeutet hier: Es geht nicht um zählbare Ergebnisse, sondern um Erfahrungen, Einschätzungen und Zusammenhänge in den eigenen Worten der befragten Person.
Bewährt haben sich W-Fragen, die nach Ursachen, Abläufen oder Bewertungen fragen:
- Statt „Finden Sie diese Entwicklung problematisch?“ besser: „Wie bewerten Sie diese Entwicklung, und woran machen Sie das fest?“
- Statt „Gab es dabei Herausforderungen?“ besser: „Welche Herausforderungen haben sich dabei gezeigt, und wie sind Sie damit umgegangen?“
Vermeiden Sie Suggestivfragen, die eine Antwort schon vorwegnehmen, und Doppelfragen, die zwei Aspekte in einem Satz bündeln – sie verwirren mehr, als sie klären. Kurze Nachfragen wie „Können Sie das an einem Beispiel zeigen?“ lassen sich als Notiz direkt unter der jeweiligen Hauptfrage ergänzen.
Schritt 4: Reihenfolge, Zeitplanung und Flexibilität einbauen
Nachdem die Fragen formuliert sind, entscheidet die Reihenfolge darüber, wie gut das Gespräch fließt. Am Anfang steht sinnvollerweise eine leichte, konkrete Einstiegsfrage, die Vertrauen schafft, bevor komplexere oder kritische Themen folgen. Heikle Fragen platziert man meist in der Mitte, wenn bereits ein Gesprächsfluss entstanden ist, und schließt mit einer offenen Frage zu Ausblick oder Fazit.
Für die Zeitplanung hilft es, jedem Themenblock eine grobe Minutenzahl zuzuordnen, etwa fünf Minuten für den Einstieg, fünfzehn für das Hauptthema und fünf für den Abschluss. Das verhindert, dass ein einzelner Block das gesamte Gespräch beansprucht.
Ein Leitfaden, der ein Experteninterview trägt, muss dabei kein starres Skript sein. Markieren Sie Kernfragen, die unbedingt gestellt werden müssen, und behandeln Sie die übrigen als Angebot, von dem im Gesprächsverlauf abgewichen werden darf. Wer zu strikt an der Reihenfolge festhält, verpasst oft die interessantesten spontanen Antworten.
Fazit
Einen Leitfaden für ein Experteninterview zu erstellen, gelingt am zuverlässigsten in klar getrennten Etappen: erst das Ziel schärfen, dann recherchieren und in Themenblöcke gliedern, anschließend offene Fragen formulieren und zum Schluss Reihenfolge und Zeitrahmen festlegen. Wer dabei Kernfragen von optionalen Nachfragen trennt, hat am Ende ein Werkzeug, das Orientierung gibt, ohne das Gespräch einzuengen.